Ticino Tempesta – Transhumanz

Gruppenarbeit – Luana Günthardt

 Wintersemester 2022

Studio Elli Mosayebi 

ETH Zürich 

Der Begriff der Transhumanz stammt vom Lateinischen transumere (trans = jenseits; humus = Boden; von oder zu einem anderen Ort bewegen). Die Transhumanz, auch Wanderweidewirtschaft genannt, beschreibt also die Migration von Mensch und Tier im Rhythmus der Jahreszeiten.

Um von klimatischen Bedingungen und den spezifischen natürlichen Zyklen vor Ort profitieren zu können, folgt sie einem jährlich wiederkehrenden, saisonal bestimmten Bewegungsmuster. Dabei handelt es sich um ein über Jahrhunderte ausgeklügeltes System, welches von Generation an Generation weitergegeben wurde.

Standort - Luftaufnahme 1980
Standort - Luftaufnahme 2020

Im Zuge sozio-ökonomischer Veränderungen wurde der Zyklus der Transhumanz unterbrochen. Die Zunahme des Tourismus fand parallel zur Abwanderung statt und die Dynamiken in den Tessiner Tälern veränderten sich grundlegend. Die jährlichen Wanderungen der Bewohner:innen und die damit verbundene wiederkehrende zyklische Wartung und Bewirtschaftung der Strukturen blieben aus. Die regelmässige Instandsetzung der Infrastrukturen und Gebäude, sowie weitere Gemeinschaftsarbeiten, die bis dahin jeweils an den entsprechenden «Giornata» unternommen wurden, setzten sukzessive aus. Vielerorts resultierte dies in einem Zusammenbruch der lokalen Selbstverwaltung. Mit dem Aufgeben der Transhumanz setzte unvermeidlich der Zerfall von Wegen, Häusern und Siedlungen ein. In diesem Kontext transformierte sich auch die Kulturlandschaft. Mit dem Aussetzen der traditionellen Weide- und Waldnutzung kehrte eine dichte und homogene Waldvegetation zurück.

Fotoworkshop mit Taiyo Onorato
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